[V70 I] Türschlösser instandsetzen

XibariS

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Hej,

vor ein paar Tagen ging das Schloss meiner Fahrertür hopps, die Tür ließ sich einfach nicht mehr schließen. Da weder Skandix noch die örtlichen Volvo-Händler ein Neues liefern konnten, war ich beim Schrotti und habe ein Schloss von einem Schlachter geholt. Damit schließt die Tür wieder. Die ZV und auch sonst alle elektrischen Spielereien, die sich hinter der Türpappe so tummeln, funktionieren.

Jetzt kommt das "Aber": Das Licht schaltet nicht ab, sodass ich den Schalter an der Lampe im Dachhimmel in Nullstellung bringen muss und beim Ein- und Aussteigen kein Licht habe. Außerdem beleuchtet die Einstiegsleuchte beim Fahren den Fußraum. Das nervt, also den Stecker gezogen. Dies soll aber nur vorübergehend sein, möchte die Beleuchtung wieder nutzen und zwar so, dass sie erkennt, ob die Tür geöffnet oder geschlossen ist.

Ich gehe mal stark davon aus, dass einer der Mikroschalter im "neuen" Schloss einen Hau weg hat. Aber welcher? Ohne das alte Schloss weiter zu zerlegen, sehe ich drei Stück davon.

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Heftig viel Grünspan auf den Lötstellen wie ich meine, das tat der Funktion aber keinen Abbruch. Weiß vielleicht jemand, welcher Schalter welche Funktion hat? Dann würde ich es evtl. versuchen, den defekten Schalter auszulöten und gegen einen vom alten Schloss auszutauschen. Das dürfte einfacher sein, als den mechanischen Defekt zu reparieren, denn so, wie es sich anhört, ist da was abgebrochen und fliegt klappernd durch die Gegend...

Gruß, XibariS
 
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Bisher konnte ja leider niemand mit Vorwissen glänzen, ich gebe die Hoffnung aber noch nicht auf, dass sich das noch ändert. Derweil habe ich mir das alte, mechanisch defekte Schloss vorgenommen und die drei Mikorschalter ausgelötet. Diese Arbeit ist, falls man mit dem Lötkolben umgehen kann, noch recht einfach. Alle Pins sind gerade noch so erreichbar, ohne das Schloss (möglicherweise gewaltsam) zu zerlegen, das nur am Rande, falls jemandem die gleiche Arbeit bevorstehen sollte.

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Mithilfe von ChatGPT und der Google Bilder-Rückwärtssuche konnte ich die Schalter zumindest grob identifizieren: Zwei Mal Taster Marquardt 1055 und ein einzelner Mitte-Null-Schalter von CHERRY, ohne Modellbezeichnung. Dem Aussehen nach müsste es ein NM02 sein. Nun halt nur ZF und nicht mehr CHERRY nach der Übernahme in 2017. Muss noch einen Messschieber besorgen für die genauen Maße zu nehmen. Es scheint so, als wäre an beide noch heranzukommen. Das Problem beim Marquardt ist, dass die Lötanschlüsse am Original gerade, schmale Pins sind, während die meisten Händler den Schalter mit Ringen / Ösen als Kontakte verkaufen...

Die ausgelöteten Schalter habe ich durchgemessen und sie funktionieren wie sie sollen, aber wer weiß schon, wie lange noch, nach fast 30 Jahren. Und wenn ich schon wieder in die Werkstatt fahre, um noch einmal 60.- € für Aus- und Einbau des Schlosses zu bezahlen, dann sollte es an den paar Kröten für neue Schalter auch nicht scheitern.

Marquardt 1055 series.jpgMitte-Null-Schalter NM02.jpgZF NM02 center-off switch.jpgM0T11.jpgNM02.jpg
 
Houston, wir haben ein Problem... gehabt. Nachdem ich mir nochmals den Auszug aus VIDA zu Gemüte geführt habe, ist der Ausbau des Schlosses plötzlich ganz einfach und schnell erledigt. Man muss sich einfach nur trauen, noch ein paar mehr Teile zu entfernen und Schrauben zu lösen. In dem Fall war es die kleine, schwarze Kappe und darunter die beiden Tx-Schrauben, die den Außentürgriff in Position halten. 60.- € gespart...

Das Schloss kam mit auf die Werkbank, um die Lötstellen von Kleber und Grünspan zu befreien, damit der Profipol die Schalter durchmessen kann. Der sagt, dass alle drei Mikroschalter öffnen und schließen, also elektrisch einwandfrei sind. Um zu klären, welcher Schalter welche Funktion übernimmt, habe ich die beiden Steckverbindungen angeschlossen, ohne das Schloss in die Tür einzulassen. Das ist eine knappe Kiste, der Kabelbaum ist gerade eben so lang genug.

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An der Stelle "Mechanik zum Öffnen / Schließen (ZV)" sitzt der CHERRY-Schalter (Mitte-Null) den es nur im Schloss der Fahrertür gibt, nicht aber auf der Beifahrerseite. Deshalb gehe ich fest davon aus, dass er nur zum Einsatz kommt, wenn man mit dem Schlüssel (Schlüsselbart) auf- und zuschließt. Die Kraft wird über einen abgeflachten Metallstift übertragen, der in eine X-förmige Kunststoffbuchse greift.

Die paarweise angeordneten Schalter sind die Marquardt 1055. Welche Aufgabe der rechte hat, konnte ich nicht herausfinden, nur so viel: Die weiße Kunststoffplatte ist beweglich, wird auf der ZV-Funke "LOCK" betätigt, bewegt sie sich nach rechts. Da sie außen dicker ist, wird der Schalter gedrückt und der Stromfluss unterbrochen.

Einfacher zu prüfen ist der linke der beiden Schalter, der die Beleuchtung steuert und, wenn gedrückt, die rote Türausschnittsleuchte, die Leuchte im Fahrerfußraum und die Innenraum-Beleuchtung abschaltet.

Weiter geht es mit der Suche nach der Ursache, warum der Schalter an sich okay ist, aber trotzdem bei geschlossener Tür weiterhin das Licht an bleibt. Jedenfalls dann, wenn die Tür mit moderater Kraft zugezogen wird. Zuknallen half zwar auch, aber daran gewöhnen wollte ich mich aus Rücksicht vor den Nachbarn dann auch nicht...

Ich musste das Schloss der Beifahrertür auch noch ausbauen, und beide Schlösser nebeneinander per Hand betätigen, um das Problem zu verstehen. Der CHERRY-Schalter arbeitet geräuschlos, die Marquardt-Schalter klicken hörbar, sodass man genau feststellen kann, bei welcher Stellung des Hebels im Schloss der Schalter öffnet bzw. schließt.

Eben dieser Hebel, der an der B-Säule um die Schlossfalle greift, schiebt bei seiner Drehung das weiße Kunststoffteil mit Beschriftung "PA" nach außen und dieses betätigt dann den fürs Licht zuständige Schalter. Beim intakten Beifahrertür-Schloss ist der Schalterklick etwa auf halbem Weg zwischen "offen" und "geschlossen" zu hören, beim defekten Fahrertür-Schloss dagegen erst ganz kurz vor der Endposition. Deutlich zu spät jedenfalls.

Schloss neben Schloss zeigt sich, dass dieser weiße Plastikhebel abgenutzt aussieht und auch verzogen zu sein scheint. Die Lösung war, den Schalter auszulöten, mit einem 1mm Metallbohrer ein Loch zu bohren und die kleinste Blechschraube einzudrehen, die ich in meinem Fundus auftreiben konnte.

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Nun steht noch an, die gelösten Halterungen wieder an die Türverkleidungen zu kleben, aber das hebe ich mir für einen schneefreien Tag idealerweise mit Plusgraden auf.
 
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Gestern war hier in der Eifel der erste Tag mit Frühlingswetter, endlich wieder Schrauben ohne Winterjacke, das habe ich ausgenutzt und die Geschichte zu einem Ende gebracht. Bin nun bestimmt 10 Tage, vielleicht auch zwei Wochen, ohne Türpappen durch die Gegend gefahren. Meine Güte, ist das nervig, wenn man nicht weiß, wohin mit dem linken Ellenbogen! :elkhuh: Aber so ließ sich gut beobachten, was die Schlösser so tun oder auch nicht tun.

Abschließen funktionierte immer, aber manchmal hakte es - gerade bei Minustemperaturen - beim Öffnen, also der "Türnippel" bekam... ähm... keinen mehr hoch. :LOL: Der Grund dafür liegt in diesen beiden weiß-gelben Kunststoffschienen, die ineinandergesteckt sind, aber kaum überlappen und deshalb auseinanderspringen.

Eine Bohrung ist da, also kamen auch hier kleine Schrauben aus dem Fundus rein. Hinten rechts hatte das irgendjemand der Vorbesitzer bereits so gemacht, hatte aber wohl keine U-Scheibe zur Hand und stattdessen eine Mutter untergelegt. Dieses Konstrukt stand viel zu weit nach oben raus und der Schraubenkopf knallte gegen die metallene Schlosskassette. Ich habe Schrauben verwendet mit einer angeschweißten Unterlegscheibe, mit ziemlich breitem, aber flachem Kopf. Damit springen die Schienen nicht auseinander und das knallende Geräusch bleibt aus.

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Bevor ich die Plastikabdeckungen wieder vor die Schlösser gesetzt habe, wurden noch alle Fensterheberschienen geschmiert und sämtliche elektrischen Helferlein in den Türen (Lautsprecher, Tankdeckelöffner, Türwarnleuchten) getestet.

Zu guter Letzt die größte Drecksarbeit: Die Türpappen wieder montieren. Die originalen Clips waren, bis auf ganze zwei Stück, alle im Eimer. Direkt nach dem Ausbau bestellte ich bereits Ersatz beim großen Fluss - zunächst nur diese hier. An manchen Halterungen der Türpappe halten sie, an anderen fallen sie direkt wieder aus. Offenbar hatten die Originale unterschiedliche Größen im Durchmesser... Also noch einmal auf die Suche gegangen, dieses Mal aber mit Fahrzeugdaten - und auf diese hier gestoßen. Deutlich teurer zwar, aber breiter, sodass sie anständig halten, während man mit der Türpappe und den Kabeln und Steckern herumhantiert.

Die hinteren Pappen lassen sich ja wirklich gut oben in den Fensterrahmen einhängen, bei den vorderen war ich kurz davor, alles hinzuschmeißen. Es liegt aber nur an dieser dreieckigen Blende, die den Kabelbaum des Außenspiegels abdeckt - zieht man die ab, geht es viel einfacher. Unnötig zu erwähnen, dass dabei eine Rastnase abbricht, aber wozu gibt es Montagekleber...

Blende-Kabelbaum-Außenspiegel.jpg

Die erfahrenen Schrauber habe ich nun ausreichend gelangweilt, aber ich habe das alles zum ersten Mal gemacht und konnte einiges lernen. Dazu gehört auch, dass die neuen Verkleidungs-Clips (besonders die zweite Variante) einiges aushalten können und wollen. Es brauchte so einige Faustschläge, damit sie in den Bohrungen der Tür einrasten und die Pappe hält. Ich hoffe, die müssen nie wieder runter...
 
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